Frances Ha (2013) – Filmkritik – Indie Review

Die Geschichte einer angehenden Tänzerin in New York in ihren Endzwanzigern, die sich mehr Hals über Kopf in ihre Tage, als in ihre Träume wirft, auch als ihre Möglichkeiten dazu schwinden.

„I’m not a real person yet“ – Frances

Frances Ha ist ein wundervoller Film. Es ist ein Film über alte und neue Plätze, alte und neue Freunde, alte und neue Bestimmungen und die Kunst weiter zu leben, ohne sich selbst zu vergessen. Es ist ein „Coming-of-Age“-Film (Neudeutsch für: ‚Erwachsen werden‘), wie er im Buche steht und gleichzeitig auch nicht. Anders: Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte, wie sie im Buche steht, gezeigt in einem sehr originellen und erfrischenden Film in antik-schönem schwarz/weiß Anstrich. Es fühlt sich an wie ein Film, den Woody Allen so hätte heute drehen können, wäre er heute nicht 78 Jahre alt. Über eine ‚echte‘, verirrte Person, sie zu führen, die Welt keine Zeit hat. Hier die Argumente:

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Greta Gerwig und Mickey Sumner in Frances Ha (2013)

Pro (95)

  1. Versprüht die bittersüße Romantik einer wundervollen Coming-of-Age Geschichte, ohne diese dem (bei solchen Filmen manchmal) typischen Fehler der Langatmigkeit zu opfern. Schnelle Schnitte und häufige Zeitsprünge bringen Tempo und halten Interesse, wirken originell und erfrischend. Mit 86 Minuten wunderbar kurz und knackig.
  2. Die Dialoge. Wie aus dem Leben eines aufgeweckten und nachdenklichen Mitt- bis Endzwanzigers und nicht so nervig übermotiviert oder naiv verplant, wie sich das gerade liest, obwohl es durchaus provoziert wird. Über weite Strecken klever, witzig und ehrlich. Nur manchmal einen Satz zu viel und einen Gedanken zu weit. Die Konversationen zwischen zwei wahren Freunden wirken extrem echt.
  3. Alle Charaktere sind äußerst interessant und nicht anstrengend, obwohl manchmal etwas ‚hipster‘. Die Schauspieler der Haupt- und meisten Nebencharaktere finden die richtige Balance zwischen Authentizität und Witz. Greta Gerwig (die Königin des Mumblecore-Genres) als Protagonistin ist zum Verlieben.
  4. Die Bilder und schwarz/weiß Cinematographie von den Straßen und Wohnungen New Yorks und einer anderen Stadt später im Film sind wundervoll.
  5. Der Film lässt den Zuschauer vergeblich auf Fehler warten, dieses delikate Stück Filmkunst zu schmälern.

Contra (5)

  1. Manche Nebencharaktere sind holprig geschauspielert.
  2. Manche Dialoge mit Nebencharakteren ebenfalls leicht holprig und der Klevernis und des Witzes Willen dann doch nicht so authentisch.

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Bewertung

9,5/10

 

Wie immer die Warnung: Trailer nur anschauen, wenn mögliche Spoiler nicht als störend empfunden werden:

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