The Master (2013) – Filmkritik

Ein Veteran der US-Navy kehrt nach dem Krieg ohne wirkliche Bestimmung und mit viel Ungewissheit über seine Zukunft nach Hause zurück. Er ergibt sich der Trunkenheit, bis er den charismatischen Führer der „The Cause“-Bewegungen kennenlernt und sich seinen Problemen stellen muss.

Philip Seymour Hoffman ist, so wurde eben bekannt, leider im jungen Alter von 46 Jahren verstorben. Ein großer Schauspieler, der sicherlich nicht zuletzt für seine Rolle in „The Master“ lange in Erinnerung bleiben wird.

„I am a writer, a doctor, a nuclear physicist and a theoretical philosopher. But above all, I am a man, a hopelessly inquisitive man, just like you“ – Lancaster Dodd

Über einen Hund und sein Herrchen. Der neue Film von Paul Thomas Anderson ist für mich, wie die Beziehung der zwei Protagonisten im Film selbst, eine Hassliebe. Es ist ein anstrengender Film und ein Film, der schwer in ‚Pros‘ und ‚Contras‘ zu unterteilen ist, weshalb die Essay-Sektion dieser Kritik länger als üblich ausfallen wird.

Joaquin Phoenix in 'The Master' (2013).

Joaquin Phoenix in ‚The Master‘ (2013).

Dieser Film ist eine Charakterstudie zwischen einem charismatischen Betrüger und einem gestörten Primitivling, und ihrer Männerfreundschaft. Wie funktioniert eine charismatische Sektenherrschaft? Was bedeutet der Glaube an etwas und welche Rolle spielen Sexualität und primitive Instinkte dabei, aber worum geht es eigentlich hinter diesen scheinbar tiefsinnigen Oberflächlichkeiten? Liegt es an der eigenen Primitivität, die wahre Aussage des Films nicht zu verstehen oder an der des Films, keine solche zu besitzen? Ist es ein Rätsel ohne Lösung? Oder ist des Rätsels Lösung einfach so offensichtlich und bereits wohl bekannt, dass man selbst nach einer schwierigeren Lösung sucht, wo keine ist?

!! Spoiler-Warnung – Ab hier Lesen auf eigene Gefahr !!

Tatsächlich dreht sich der Film eher um die beiden Protagonisten, als um irgendwelche Tiefsinnigkeiten. Wie in Stein gemeißelt wirken die äußerst ausdrucksstarken Gesichter Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffmans in den zahlreichen Nahaufnahmen des Films. Einige exzellente Dialogszenen definieren die Beziehung dieser beiden: Ein Hund und sein Herrchen („Good boy“), jedoch entwickelt sich diese Beziehung und mit ihr die beiden Charaktere bis zuletzt nicht wirklich weiter. Man könnte argumentieren, dass der Mastermind Lancaster Dodd – der Anführer und Beeinflusser – durch seine Liebe zu seinem animalischen Untertanen zunehmend selbst zum Tier wird: Schwindet sein Einfluss und Erfolg nicht in Anwesenheit, und kehren diese Attribute nicht zurück in Abwesenheit von Freddy Quell? Sicherlich, doch ist letztendlich irgendetwas anders, als zu Beginn des Films? Was lernt der Zuschauer und sollen diese ganzen Szenen eine tiefere Bedeutung besitzen, als die offensichtliche Tatsache, dass es charismatische Betrüger gibt, die schwächere, unterbelichtete oder zu gutmütige Menschen zu ihren Untertanen machen?

Philip Seymour Hoffman in 'The Master' (2013).

Philip Seymour Hoffman in ‚The Master‘ (2013).

Auch die eigentliche Handlung trägt mit ihrer extremen Kargheit und episodischen Erzählung nicht dazu bei, den Spannungsbogen dieser zähen und zu langen Geschichte zu spannen. Was unterhält, sind die erstklassigen Schauspielleistungen, die wunderschön eingefangenen Bilder und diese Hassliebe zu den Charakteren von Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix. Wobei letzterer durch seine widerlich primitive Art in vielen Szenen einfach nur abstoßend wirkt, was sicherlich gewollt aber auch extrem anstrengend ist, dreht sich doch fast jede Szene um diese Person.

Wie sind diese ganzen Argumente und sehr subjektiven Einstellungen zu gewichten? Letztendlich fördert dieser Film mehr eine intellektuelle als emotionale Auseinandersetzung, was ironisch ist, da ich selbst  in der Wertung letztendlich nur nach meinem Gefühl gehen kann:
ohwell

Wertung

6,5 – 7/10

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