American Hustle (2014) – Filmkritik – Oscar Review

Ein Trickbetrüger sieht sich zusammen mit seiner verführerischen Partnerin gezwungen, mit einem FBI-Agenten zusammen zu arbeiten, um ihre Fähigkeiten in Lüge und Täuschung auf der höchsten politischen Ebene New Jerseys einzusetzen.

„She was the Picasso of passive-aggressive karate“ – Irving Rosenfeld

American Hustle ist nach ‚The Wolf of Wall Street‘ schon der zweite Oscar-Hit diesen Jahres (für 10 Oscars nominiert), der, erstens, den amerikanischen Traum aus der Perspektive von Trickbetrügern erzählt und, zweitens, überbewertet ist. American Hustle ist ein guter und solider Film mit grandiosen Schauspielern und mit guter Dynamik aber dem Film fehlt letztendlich das Fleisch und er ist längst nicht so klever wie er selbst zu sein glaubt.

Jennifer Lawrence, Elisabeth Röhm, Christian Bale und Jeremy Renner in 'American Hustle' (2014).

Jennifer Lawrence, Elisabeth Röhm, Christian Bale und Jeremy Renner in ‚American Hustle‘ (2014).

Fleisch? Fleisch! Also die Handlung, die den Film von einer absurd-lustigen Kostümparade in die Sphären eines spannenden Gaunerkrimis zu heben vermag. Wo ist das eigentliche Hustle in der Handlung, das zwischen den Charakteren so wundervoll stattfindet und bei denen man nie genau weiß, wer nun auf welcher Seite steht und wer wen nur benutzt. Diese Dynamik bietet eine perfekte Grundlage für ein spannendes und charaktergetriebenes Crime-Drama und doch kann die Handlung das Potential nicht  verwerten und ist letztlich nicht so klever, wie sie vorgibt zu sein. Es fehlt der Zug zum Ziel und die nötigen paukenschlagartigen Wendungen, die der Film zwar durchaus versucht zu schaffen, die aber auch nie so ganz nachvollziehbar oder überraschend daherkommen. Der Film wirkt zerstückelt.

Dieser Umstand schmälert jedoch nicht die Leistung des brillanten Ensemble-Casts. Die dominante weibliche Hauptrolle wird von der talentierten Amy Adams mysteriös, komplex und verführerisch gespielt. Der Wunsch nach einer Hintergrundgeschichte ihres Charakters wird jedoch offen gelassen. Dies ist ein Problem, da die Geschichte explizit von diesem starken weiblichen Charakter abhängt und sich die Dynamik mit ihr dreht und wendet. Über die beiden männlichen Protagonisten erfahren wir zumindest genau soviel, um ihre Entscheidungen nachvollziehen zu können – so überspitzt sie auch sein mögen. Beide übrigens solide gespielt von Christian Bale und Bradley Cooper, wobei es letzterer vielleicht einen Mü übertreibt. Christian Bale auf der anderen Seite zeigt abermals, wie wandelbar er sein kann.

Und dann noch ein Wort zu ihr: Jennifer Lawrence. Wer sie aus Interviews kennt, weiß, dass ihr diese komödiantische Rolle nicht schwer gefallen sein muss. Sie ist das Highlight vieler Szenen und schafft es, durch eine gewisse Verlogenheit auch noch etwas Tiefgang in ihre Nebenrolle zu spielen. Sie beweist, welche Reichweite an Rollen sie in der Lage ist zu spielen und wie leicht es ihr fällt, den Fokus der Szenen auf sich zu ziehen.

Bradley Cooper und Christian Bale als Richie Dimaso und Irving Rosenfield in 'American Hustle' (2014).

Bradley Cooper und Christian Bale als Richie Dimaso und Irving Rosenfield in ‚American Hustle‘ (2014).

Vielleicht liegt das Problem auch bei dem Kampf des Films im ersten Akt, all die verschiedenen Hauptcharaktere und Perspektiven auf diese Crime-Geschichte zu etablieren, was das Erzähltempo teilweise deutlich staucht und eine eigentlich gar nicht wirre Grundsituation verwirrt. Insgesamt muss aber gesagt werden, dass die Geschichte insgesamt nicht uninteressant oder schlecht ist – nur nicht so begeisternd wie erwartet. Auch viele Szenen präsentieren sich als in sich geschlossen und teilweise genial auf Film eingefangen. Einige, für David O. Russel typische, Kamerafahrten und Einstellungen tragen zur Schönheit der Szenen bei und komplementieren Bühnenbild und Maske (oder andersherum).

Letztendlich ist ‚American Hustle‘ ein Film, dessen Voraussetzungen und Ressourcen mit einer besser erzählten und raffinierteren Geschichte optimal hätten ausgenutzt werden können. Es ist eine unterhaltsame, charaktergetriebene schwarze Crime-Komödie mit grandiosen Schauspielern und einem Handlungsstrang, der leider etwas zu wünschen übrig lässt. Trotzdem ein guter Film.

quitegood

Wertung

7/10

Wie immer die Warnung: Trailer schauen auf eigene (Spoiler-) Gefahr:

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