Dallas Buyers Club (2014) – Filmkritik – Oscar Review

Dallas 1985. Nachdem Elektriker und Spieler Ron Woodroof mit AIDS diagnostiziert wird, versucht er das medizinische und legale System zu umgehen, um sich die nötigen Medikamente zu besorgen, die er gegen seine Symptome und für eine teilweisen Genesung braucht.

„Let me give y’all a little news flash. There ain’t nothin‘ out there can kill fuckin‘ Ron Woodroof in 30 days“ – Ron Woodroof

Ron Woodroof ist ein waschechter Kämpfer. Hart im nehmen aber kein schlechter Kerl und irgendwie kommt man bei dieser Rolle nicht darum herum, die Parallele zwischen der Natur des Protagonisten und der Karriere des Schauspielers zu ziehen, der ihn verkörpert. Wenn McConaughey als Ron Woodroof dann mal wieder den Mittelfinger hebt und die Geste unberührt mit einem „Right here!“ kommentiert. Sollen sie doch still sein, die Kritiker, die das Können McConaugheys immer noch nach den flachen romantischen Komödien beurteilen, für die er sich schon längst nicht mehr hergibt. Mit dieser Rolle setzt er ein Ausrufezeichen hinter seine beeindruckende Filmographie der letzten Jahre und beweist, dass er zu einem der besten Schauspieler seiner Generation gehört.

Matthew McConaughey als Ron Woodroof in 'Dallas Buyers Club' (2014).

Matthew McConaughey als Ron Woodroof in ‚Dallas Buyers Club‘ (2014).

‚Dallas Buyers Club‘ ist sein Film. Es ist ein gutes, solides Drama aber es ist sein Film. Doch um fair zu bleiben: Er ist nicht der einzige Faktor, der diesen Film zu einem so exzellenten Drama macht. Da wäre schließlich noch die von Jared Leto ausgezeichnet gespielte Nebenrolle einer AIDS-kranken Drag-Queen. Da wäre die heute noch relevante Thematik der Wahrnehmung von HIV und AIDS und den Funktionsweisen der Pharmaindustrie. Da wäre das interessante Setting Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre, mit dem damaligen lückenhaften Forschungsstand und all den gesellschaftlichen Vorurteilen. Und da wäre die amerikanische Aufstiegsgeschichte und die Entwicklung eines voreingenommenen Alkohol- und Koksjunkies, der eigentlich nur noch 30 Tage zu leben hat, seine lebensbejahende Natur die Akzeptanz dieser Tatsache aber verweigert – während seine Akzeptanz anderen Dingen gegenüber plötzlich zu steigen scheint. Letztendlich ist es die Geschichte eines Mannes, dessen nahender Tod seinem Leben wieder Sinn und Ordnung zu geben scheint. Viele gute Argumente also.

Das Ganze verpackt in einem gut gefilmten aber vor allem sehr gut geschnittenen Film, der die Entwicklung seines bauernschlauen Protagonisten auch immer wieder dazu nutzt, ironisch witzige Situationen zu schaffen und somit die buchstäblich todernste Atmosphäre angenehm lockert. Es ist ein astreines Drama, und wunderbares Darstellerkino. Letztendlich fehlte mir (und da mag ich wahrscheinlich die Ausnahme sein) doch der Funke Emotion, welcher nicht richtig und nur hin und wieder überspringen wollte. Und obwohl Ron Woodroof mein komplettes Mitgefühl wirklich verdient hätte, hätte ihn meine fehlende emotionale Anteilnahme sicherlich nicht gestört – denn er macht sein Ding. „Right here!“

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Jared Leto und Matthew McConaughey als Rayon und Ron Woodroof in ‚Dallas Buyers Club‘ (2014).

captain

Wertung

8/10

Wie immer die Warnung: Trailer schauen auf eigene (Spoiler-) Gefahr!

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